Gas-, Diesel- und Kerosinlager füllen sich wieder

24.06.2026

Österreich ist nach Angaben des Wirtschafts- und Energieministeriums über alle Energieträger hinweg gesichert versorgt. Mit der Verlängerung der strategischen Gasreserve bis 2029 und ihrer Absicherung im Doppelbudget 2027/28 gebe man „Haushalten und Betrieben auch beim Gas Sicherheit – gerade in geopolitisch unsicheren Zeiten“, betont Minister Wolfgang Hattmannsdorfer. Bei Öl, Diesel und Kerosin würden die Raffinerie Schwechat, stabile Importwege und die strategische Reserve über rund 90 Tage eine verlässliche Versorgung garantieren.

Mit Blick auf die Lagerstände hält der Minister fest: „Die Entwicklung der kommerziellen Lagerbestände bei Kerosin und Diesel ist sehr erfreulich, und auch die Gasspeicher sind mit über 50 Prozent bereits gut gefüllt.“ Oberstes Ziel bleibe eine Beruhigung der Lage rund um die Straße von Hormus. Gerade angesichts der Iran-Krise habe für die Republik die Versorgungssicherheit Priorität.

Gasspeicher auf über 50 Prozent

Die strategische Gasreserve umfasst 20 Terawattstunden (TWh), ist staatlich kontrolliert und für den Krisenfall reserviert. Diese Menge entspricht rund einem Viertel des jährlichen Inlandsverbrauchs. Verlängert wird sie um zwei Jahre bis April 2029. Im Doppelbudget sind dafür rund 115 Millionen Euro (2027) und rund 120 Millionen Euro (2028) vorgesehen. Die tatsächlichen Kosten werden laut Ministerium voraussichtlich deutlich darunter liegen.

Der Speicherfüllstand lag Mitte Juni 2026 bei über 50 Prozent (51,64 Prozent bzw. 51,78 TWh am 20. Juni) – nach rund 36 Prozent Ende März. Bei gleichbleibender Einspeicherrate ist bis zum Jahresende ein Speicherstand von rund 80 Prozent erreichbar, was etwa einem Ganzjahresverbrauch entspricht. Im europäischen Vergleich zählt laut Ministerium Österreich beim Verhältnis von Speicherfüllstand und Speicherkapazität zum Jahresverbrauch zur Spitzengruppe.

Allerdings liegt der Füllstand rund zehn Prozentpunkte unter dem Niveau vom Juni 2025. Als Gründe nennt das Ministerium den kälteren vergangenen Winter, die Trockenheit mit vermehrtem Gaseinsatz in der Stromerzeugung sowie die infolge des Iran-Konflikts stark gestiegenen Gaspreise, die die Einspeicherung wirtschaftlich weniger attraktiv gemacht hätten.

Die beiden AGGM-Vorstände Bernhard Painz und Michael Woltran verwiesen auf die Vorsorge der Branche: Die Gas-Versorgungsunternehmen speicherten Gas ein, um ihre Kunden zu beliefern. Dass Mitte Juni 50 Prozent Füllstand erreicht würden, sei „ein wichtiges Etappenziel“. Gemeinsam mit der hohen Verfügbarkeit von Netzen und Speichern werde so die nötige Flexibilität für Herbst und Winter geschaffen.

Öl-Versorgung trotz Hormus-Blockade stabil

Bei Rohöl meldet die Raffinerie Schwechat keine Versorgungsprobleme, die Adria-Wien-Pipeline läuft mit üblicher Auslastung. Die strategische Pflichtnotstandsreserve deckt rund 90 Tage ab. Durch die Straße von Hormus laufen derzeit nur rund 2 statt der üblichen rund 20 Millionen Barrel pro Tag. Alternative Routen über Yanbu und Fujairah sowie steigende Lieferungen aus dem Atlantikbecken federn dies ab. Die EU erkennt für Juni und Juli keinen Mangel an Rohöl oder Erdölprodukten. Erste IEA-Analysen für 2027 zeigen im Fall einer offenen Straße von Hormus sogar einen deutlichen Überschuss im kommenden Jahr.

Gute Bestände von Diesel und Kerosin 

Österreich importiert rund 69 Prozent seines Dieselbedarfs, davon rund 71 Prozent aus Deutschland, dessen Raffinerien ohne Einschränkung produzieren. Ausgefallene Importe konnten kompensiert werden, ein Mangel ist nicht zu erwarten. Die kommerziellen Diesel-Lagerstände stiegen im April 2026 wieder deutlich an (plus 36 Prozent) und lagen um gut 30 Prozent über dem mehrjährigen April-Durchschnitt.

Beim Kerosin produziert Österreich mit einer Inlandsquote von rund 95 Prozent fast so viel, wie es verbraucht; der Flughafen Wien wird primär über die Raffinerie Schwechat versorgt. Ein Engpass ist daher nicht zu erwarten. Der kommerzielle Kerosin-Lagerstand stieg im Mai 2026 um rund 56 Prozent und erreichte einen neuen Mai-Höchstwert im Betrachtungszeitraum. Auf europäischer Ebene stammten zuletzt rund 15 bis 20 Prozent des Verbrauchs aus dem Persischen Golf. Ersatzlieferungen aus den USA und Nigeria kompensierten bisher rund die Hälfte der ausgefallenen Mengen.