Bettina RauschÂŽ Buchempfehlungen zum Weltfrauentag

08.03.2023

Frauen vor den Vorhang! Darum geht es der PrĂ€sidentin der Politischen Akademie,  Abgeordneten Bettina Rausch. RegelmĂ€ĂŸig veröffentlicht sie ihre Buchtipps. Angelehnt an den Weltfrauentag am 8. MĂ€rz, empfiehlt sie acht BĂŒcher – sieben von Frauen und eines ĂŒber Frauen.

Warum bietet Bettina Rausch diese sieben Tipps fĂŒr Literatur fĂŒrs Leben? „Ein Anliegen des Weltfrauentages war und bleibt es, Frauen und ihre Geschichten, ihre Schicksale, ihre Themen und ihre Anliegen sichtbar zu machen. In allen Gesellschaftsbereichen. Die Autorinnen beziehungsweise Herausgeberinnen der sieben BĂŒcher tragen alle dazu bei: vor allem durch ihr eigenes Beispiel in diversen öffentlichen Rollen, aber auch in dem sie anderen Frauen in ihren BĂŒchern oder in der realen Welt eine BĂŒhne bieten. Sie mögen uns – gerade anlĂ€sslich des Weltfrauentages – auch in dieser Hinsicht Vorbilder sein“, so Rausch zu ihren BĂŒchervorschlĂ€gen:

Vea Kaiser: Blasmusik-Pop oder Wie die Wissenschaft in die Berge kam (KiWi), 496 Seiten

Vea Kaiser ist mittlerweile ein Fixstern am österreichischen Literaturhimmel. Gottseidank. Vielleicht sind einige von euch erst in den letzten Jahren – etwa dank „RĂŒckwĂ€rtswalzer“ – auf sie aufmerksam geworden.

Umso mehr will ich euch ihren ersten großen Roman „Blasmusik-Pop oder: Wie die Wissenschaft in die Berge kam“ aus dem Jahr 2012 ans Herz legen. Es ist eines der wenigen BĂŒcher, die ich nach einigen Jahren ein zweites Mal gelesen habe – und es hat ein zweites Mal richtig Freude gemacht.

Der Kurier meinte dazu etwa: „Hier schlĂ€gt eine 23-jĂ€hrige österreichische Naturgewalt in ein 490-Einwohner-Alpendorf ein! Vea Kaiser hat in den Trompeten, der Kirchturmglocke, dem Maibaum-Aufstellen den Pop entdeckt.“

Mehr ĂŒber Vea Kaiser und ihr Wirken: https://www.veakaiser.de/

Danielle Spera: Le Chaim (Amalthea Signum), 224 Seiten

Wenn man wie ich zwar einiges ĂŒber das Judentum an sich gelernt und gelesen hat (z.B. in Danielle Speras 2020 erschienenem Buch „100 x Österreich: Judentum“), in seinem bisherigen Leben aber wenig mit jĂŒdischen MitbĂŒrgerinnern und MitbĂŒrgern zu tun hatte, dann ist „Le Chaim“ quasi PflichtlektĂŒre.

Auf 224 umfassend bebilderten Seiten erzĂ€hlt Danielle Spera unter anderem warum das jĂŒdische Neujahr schon im Herbst gefeiert wird, GlĂ€ubige zu Sukkot in eine LaubhĂŒtte ziehen oder an einem bestimmten Feiertag in der Synagoge laut mit den FĂŒĂŸen gestampft wird. Es ist eine sehr persönliche Schilderung des jĂŒdischen Jahresablaufs angereichert mit besonderen Feiertagserlebnissen ihrer Familie und ihren Lieblingsrezepten.

Ein Buch, das man nicht unbedingt auf einmal lesen muss, sondern in dem man auch immer wieder blĂ€ttern kann. (Danielle Spera war ĂŒbrigens bei der Grete Rehor-Matinee „Frauen im Rampenlicht“ 2022 zu Gast.

Zum Nachlesen und Nachschauen hier: https://politische-akademie.at/aktuelles/grete-rehor-matinee-frauen-und-das-rampenlicht/)

Lucy Fricke: Die Diplomatin (Claassen), 256 Seiten

In ihrem 256 Seiten starken Roman erzĂ€hlt Lucy Fricke – nachdenklich und packend – zugleich die Geschichte einer Diplomatin, die den Glauben an die Diplomatie verliert.

Auch wenn das Buch 2022 erschienen ist, geht es dabei nicht um den Krieg in der Ukraine, die Frage nach den Möglichkeiten und Grenzen von Diplomatie stellt sich heute aber wieder sehr deutlich.

Lucy Fricke schreibt zu Beginn ihres Buches zwar, dass die „Handlung und alle handelnden Personen frei erfunden [sind] und jede Ähnlichkeit mit lebenden oder reale Personen so zufĂ€llig [wĂ€re] wie alles andere im Leben.“ Montevideo und Istanbul, die SchauplĂ€tze ihrer Handlung, lĂ€sst sie aber ebenso lebendig werden in ihren Schilderungen wie die einzelnen Charaktere. Und auch wenn man nichts fĂŒr die aktuelle Weltpolitik ableiten will aus dem Roman, so ist er doch eine ErzĂ€hlung, die anrĂŒhrt und nachhallt.

(Über Frauen in der Diplomatie haben wir kĂŒrzlich auch ausgehend von Elisabeth Motschmanns Band „Female Diplomacy“ diskutiert. Zum Nachschauen hier: https://politische-akademie.at/aktuelles/frauen-in-der-diplomatie-sind-sie-jetzt-die-quotenfrau/)

Steffi Burkhart (Hrsg.): Be Water, My Friend (Vahlen) ,300 Seiten

Human Capital Evangelist Steffi Burkhart ist seit Jahren eine gefragte Key Note Speakerin, wenn es um das Leben und die Erwartungen der Generationen Y und Z geht, um die Zukunft der Arbeit und gesellschaftlichen Wertewandel. Um all das geht auch in dem Band „Be Water, My Friend“, den sie 2020 im Eindruck der Corona-Pandemie und der damit einhergehenden tiefen Krisen zusammengestellt hat.

29 Persönlichkeiten, von Trendforscher Matthias Horx bis Moderatorin und Autorin Nina Ruge, von Fußball-Profi Per Mertesacker bis Professorin Jutta Rump, teilen mit Leserin und Leser ihre recht unterschiedlichen Gedanken und Ideen dazu, wie wir unser junges 21. Jahrhundert besser meistern können. Noch vor dem Ukraine-Krieg entstanden, aber auch vor der zweiten (und weiteren) Corona-Welle(n), schwingt in dem Buch eine andere Stimmung mit, mehr Optimismus in Sachen gesellschaftlicher Zusammenhalt und globaler Multilateralismus. Vielleicht ist es gerade deshalb gut, den Band oder einzelne Essays darin zu lesen.

So erweitert man nicht nur eigene DenkrĂ€ume, sondern erlebt auch, dass Zuversicht und Zukunftsfreude gerade nicht verloren, sondern vielleicht nur zugedeckt sind. (Steffi Burkhart hat 2022 auf der Politischen Akademie ĂŒber Arbeitswelten der Zukunft gesprochen.

Zum Nachschauen hier: https://politische-akademie.at/aktuelles/haben-wir-ein-zuversichtliches-verhaeltnis-zum-unbekannten/

Barbara Bleisch: Warum wir unseren Eltern nichts schulden (Carl Hanser Verlag), 208 Seiten

Barbara Bleisch ist nicht nur großartige Gastgeberin der GesprĂ€chsrunde „Sternstunde Philosophie“ im SWR (Gibt es auch als Podcast!) und Mitglied der Jury des Tractatus-Preises im Rahmen des Philosophicum Lech. Vor allem ist sie eine Philosophin. Und derer bekannter und berĂŒhmter gab und gibt es nicht allzu viele. In ihrer Arbeit beschĂ€ftigt sie sich oft mit Fragen von Rechten und Pflichten, im gesellschaftlichen und gerade im familiĂ€ren Kontext.

„Warum wir unseren Eltern nichts schulden“ ist ein Buch aus einer Reihe, die mit einem philosophischen Blick auf Themen des Zusammenlebens schaut. Wer schnell eine ganz eindeutige Antwort will, der sollte wohl weder das Buch lesen, noch ĂŒberhaupt „philosophieren“ – wer aber genau wissen will, warum wir unseren Eltern nun tatsĂ€chlich nichts schulden, dennoch eine gute Beziehung zu ihnen und uns selber haben können, der sollte in Barbara Bleischs eingĂ€ngige und fundierte Überlegungen eintauchen.

Zur Sternstunde Philosophie im SWR: https://www.srf.ch/play/tv/sendung/sternstunde-philosophie?id=b7705a5d-4b68-4cb1-9404-03932cd8d569

Claudia Kloihofer: Dein Körper schĂŒtzt dich (Goldegg Verlag), 264 Seiten

Claudia Kloihofer ist eine beeindruckende Persönlichkeit. Die „Niederösterreicherin des Jahres“ 2014 hat es geschafft, eine tiefe persönliche Krise nicht nur fĂŒr sich selber zu nutzen, sondern daraus auch Kraft zu gewinnen, andere Menschen zu begleiten.

Als Mutmacherin (www.mutmachinstitut.at) berĂ€t, coacht, trainiert, entwickelt und unterstĂŒtzt sie, wenn es um VerĂ€nderungen in Organisationen und im Leben einzelner geht. Ihr Credo „Dein Körper schĂŒtzt dich – Vertraue deiner Intuition“ hat sie nun zum Titel ihres dritten Buches gemacht.

In vier Kapiteln lĂ€sst sie Leser und Leserin nicht nur an ihrer persönlichen Lebensgeschichte teilhaben, sondern vor allem an ihren Erkenntnisse, wie man sich Signale des eigenen Körpers zunutze machen kann, um dem Leben eine neue, jedenfalls umfassend gesunde Richtung zu geben. Ein Buch, das einen anrĂŒhrt und anregt. Und das vielleicht gerade deshalb gut in die Fastenzeit passt.

Stefanie Stahl: Wer wir sind (Kailash), 384 Seiten

Das Buch von Stefanie Stahl war ein Geburtstagsgeschenk an mich. Und als eine, die – dank Ausbildungen, LektĂŒre und einigem an Lebenserfahrung – dachte, sie wĂŒsste ja schon praktisch alles darĂŒber wie Menschen so „funktionieren“, hab ich das Buch mit etwas Skepsis zu lesen begonnen. ‚Was soll ich da schon Neues erfahren?‘ – ich gebe es zu. In der Tat bin ich Ă€ußert positiv ĂŒberrascht und eines Besseren belehrt worden.

In „Wer wir sind. Wie wir wahrnehmen, fĂŒhlen und lieben.“ erklĂ€rt Diplom-Psychologin und Psychotherapeutin Stefanie Stahl Ă€ußerst anschaulich und strukturiert zugleich unsere vier psychischen GrundbedĂŒrfnisse und wie wir sie in Balance halten können. Sie ergĂ€nzt ihre Betrachtungen um Fallbeispiele und beendet das Buch mit ganz konkreten LösungsansĂ€tzen.

Ob das Buch – wie das Cover verspricht – „alles was sie ĂŒber Psychologie wissen sollten“ enthĂ€lt, traue ich mir nicht zu sagen. FĂŒr mich war die LektĂŒre jedenfalls horizonterweiternd und erlaubt mir, das was ich bisher wusste und erfahren haben, neu einzuordnen und verstehen zu können.

Mehr Information ĂŒber Stefanie Stahl und die Psychologie: https://www.stefaniestahl.de/

Gerhard Jelinek: Mutiger, klĂŒger, verrĂŒckter. (Amalthea Signum), 288 Seiten

Frauen vor den Vorhang holen, das steht im Zentrum des Buches von Gerhard Jelinek. Auf 2800 Seiten mit zahlreichen Abbildungen schildert er die Schicksale von 25 Frauen, die aus seiner Sicht außergewöhnlich waren und die Welt verĂ€ndert haben.

„Von den AnfĂ€ngen der Zeit bis heute haben sich Frauen auf so verschiedenen Gebieten wie Politik, Kunst, Literatur oder Wissenschaft erfolgreich behauptet. Dabei mussten sie stĂ€rker und erfinderischer als MĂ€nner sein, um sich gegen Benachteiligung und Konventionen durchzusetzen – und bezahlten nicht selten einen hohen Preis.“, heißt es im Klappentext. Unter den portraitierten Frauen sind Maria Magdalena ebenso wie Beate Uhse, Kleopatra ebenso wie Eleanor Roosevelt. Aber auch auf den ersten Blick weniger bekannte Persönlichkeiten wie Olympe de Gouges (Sie fordert Menschenrechte fĂŒr Frauen und wird zum Opfer der Französischen Revolution.) oder das »FreudenmĂ€dchen« Ching Shih (Sie beherrscht mit einer Piratenflotte das SĂŒdchinesische Meer.) werden vorgestellt.

Im Buch geht es ĂŒbrigens nicht nur um diese inspirierenden Frauen, sondern auch um jene MĂ€nner, die sie behinderten und förderten, hassten und liebten. Infotainment at its best, wĂŒrde ich sagen.

Mehr Buchtipps

Alle Buchtipps auf der Homepage der Politischen Akademie:
Buchtipps – Politische Akademie – Raum fĂŒr Entwicklung (politische-akademie.at)

Politische Akademie: Grete Rehor-Matinee

„Frauen vor den Vorhang holen wir auf der Politischen Akademie traditionellerweise im Rahmen der Grete Rehor-Matinee“, sagt Bettina Rausch. Die findet heuer am 22. Mai statt und widmet sich dieses Mal besonders Frauen, die Pionierinnen auf europĂ€ischer Ebene waren.

Dabei wird unter anderem der österreichischen Abgeordneten Lola Solar gedacht, die vor 70 Jahren mit der „European Union of Women“ die erste europaweite Frauen-Vereinigung gegrĂŒndet hat. Alle Informationen zur Veranstaltung und eine Möglichkeit zur Voranmeldung gibt es hier: Grete-Rehor-MatinĂ©e Pionierinnen in Politik und Gesellschaft – Politische Akademie – Raum fĂŒr Entwicklung (politische-akademie.at)